NGFN-PLUS

 Netzwerk Mentale Retardierung ("MRNET")

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Leitung:    Prof. Dr. André Reis
Institut: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Homepage: www.humangenetik.uk-erlangen.de
Mentale Retardierung (MR) betrifft etwa 2% der Bevölkerung und ist der bedeutendste einzelne Kostenfaktor im Gesundheitswesen. In der Mehrzahl der Fälle liegt eine genetische Ursache vor, wobei bisher aber nur wenige Gendefekte bekannt sind. Das gemeinsame Ziel des German Mental Retardation Network (MRNET)-Projektes ist deshalb die systematische Identifizierung von Genen für MR sowie die Untersuchung der Funktion der dadurch kodierten Proteine. In diesem Vorhaben werden klinisch genetische Ansätze mit einer systematischen Genomanalyse vereint. Ziel ist einerseits die Untersuchung einer großen Anzahl von Patienten mit sporadischer MR mittels molekularer Karyotypisierung zur Aufdeckung von genomischen Aberrationen und Kandidatengenen. Andererseits sollen in Familien mit autosomal rezessiver mentaler Retardierung mittels Kopplungsanalysen entsprechende Genorte lokalisiert und Kandidatengene identifiziert werden. Deren Funktion und die jeweiligen Signalwege werden mit zellbiologischen Analysen und Tiermodellen funktionell untersucht. Durch Charakterisierung der molekularen Netzwerke sollen zudem Ansätze für therapeutische Maßnahmen entwickelt werden. Parallel dazu soll anhand der klinischen Daten die Genotyp-Phänotyp Korrelation untersucht werden. Neue Krankheitsentitäten sollen hierbei genauer definiert und in Ihrem Verlauf beobachtet werden. Durch eine intensive Kommunikation sollen neue Erkenntnisse schnell in die klinische Medizin translatiert werden und auch betroffenen Familien bekannt gemacht werden. Die Ergebnisse von MRNET sollen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Ursachen der MR im Besonderen und der Neurobiologie im Allgemeinen leisten.














Molekulares Karyogramm
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Dargestellt sind schematisch die Chromosomen einer weiblichen Patientin mit mentaler Retardierung. Rote Pfeile bzw. blaue Pfeile im linken Bildbereich markieren Regionen, in denen mittels molekularer Karyotypisierung Verluste oder Zugewinne von Erbmaterial festgestellt werden konnten. Die Berechnung der Kopienzahl wurde dabei über 1,8 Millionen genomische Messpunkte ermittelt.
Auf der rechten Seite sind beispielhaft die Messpunkte in dem rot eingekästelten Bereich des Chromosoms 11 dargestellt. Die Abweichung der Punkte von der Grundlinie nach unten zeigen eine große Deletion auf dem Chromosom 11 an, die 11 Millionen Basenpaare groß ist und 58 teilweise im Gehirn exprimierte Genanlagen enthält. Beide Eltern tragen diese Veränderung nicht, weshalb sie neu entstanden sein muss. Sie ist wahrscheinlich die Ursache für die mentale Retardierung. 

Teilprojekt: